Wer in Deutschland ein Auto fährt, muss es regelmäßig zur Hauptuntersuchung (HU) bringen. Umgangssprachlich heißt das oft „zum TÜV“, auch wenn die Prüfung ebenso bei DEKRA, GTÜ oder KÜS stattfinden kann. Nach jeder HU erhält der Halter einen Prüfbericht. Für Gebrauchtwagenkäufer ist dieses Blatt Papier eine der wertvollsten Informationsquellen.
Wie oft ist die HU fällig?
- Neuwagen: Die erste HU ist nach drei Jahren fällig.
- Danach: Alle zwei Jahre.
Wann die nächste HU ansteht, zeigt die Prüfplakette auf dem hinteren Kennzeichen und der Eintrag im Prüfbericht. Ist die HU mehr als zwei Monate überfällig, wird eine ergänzende Untersuchung fällig, die mehr kostet. Zusätzlich drohen ein Verwarn- oder Bußgeld.
Was im Prüfbericht steht
Ein HU-Bericht enthält unter anderem:
- FIN und Kennzeichen: Vergleichen Sie die FIN mit den Papieren und dem Auto.
- Datum der Prüfung und Monat der nächsten HU
- Kilometerstand am Prüftag: Wichtig für den Vergleich mit dem Tacho.
- Festgestellte Mängel mit Einstufung
- Hinweise: Beobachtungen der Prüfer, die (noch) kein Mangel sind
- Ergebnis: Plakette zugeteilt oder nicht
Die Mängelklassen
Die Prüfer ordnen jeden Mangel einer Klasse zu:
| Einstufung | Bedeutung |
|---|---|
| Ohne festgestellte Mängel | Alles in Ordnung, Plakette wird erteilt. |
| Geringe Mängel (GM) | Kein Einfluss auf die Verkehrssicherheit. Plakette wird erteilt, der Mangel sollte behoben werden. |
| Erhebliche Mängel (EM) | Keine Plakette. Das Auto muss repariert und innerhalb eines Monats erneut vorgeführt werden. |
| Gefährliche Mängel (GefM) | Unmittelbare Gefahr für die Verkehrssicherheit. Keine Plakette, das Auto sollte nur noch zur Reparatur gefahren werden. |
| Verkehrsunsicher (VU) | Das Auto darf nicht mehr gefahren werden, die Plakette wird entfernt. |
Worauf Sie als Käufer achten sollten
Kilometerstände vergleichen
Lassen Sie sich die HU-Berichte der letzten Jahre zeigen. Die Kilometerstände müssen von Bericht zu Bericht steigen. Ein niedrigerer Wert als bei der vorherigen HU ist ein starkes Indiz für Tachobetrug.
Hinweise ernst nehmen
Die Rubrik „Hinweise“ wird oft überlesen. Dort stehen Beobachtungen wie „Bremsscheiben leicht verschlissen“, „Ölverlust gering“ oder „Korrosion an Bremsleitung“. Das sind noch keine Mängel, aber meist die Reparaturen der nächsten Monate. Rechnen Sie diese Kosten in den Preis ein.
Wiederkehrende Mängel
Taucht derselbe Mangel in mehreren Berichten auf, wurde er offenbar nur notdürftig behoben. Fragen Sie nach Rechnungen für die Reparatur.
„Neuer TÜV“ im Inserat
„HU neu“ ist ein gutes Verkaufsargument, sagt aber nur, dass das Auto am Prüftag die Mindestanforderungen erfüllt hat. Über Unfallschäden, die Wartung oder den Zustand von Motor und Getriebe sagt die HU wenig aus. Lesen Sie deshalb auch beim frischen TÜV den Bericht selbst und nicht nur die Plakette.
Was die HU nicht prüft
Die Hauptuntersuchung prüft Verkehrssicherheit und Umweltverträglichkeit. Sie prüft nicht, ob das Auto früher einen Unfall hatte, wie viele Halter es hatte oder ob es regelmäßig gewartet wurde. Diese Lücken schließen Sie mit dem Serviceheft und einem FIN-Check. Wie alles zusammenpasst, erklärt unsere Checkliste zur Gebrauchtwagen-Historie.
Fazit
Der HU-Prüfbericht zeigt Ihnen den Kilometerstand zu einem festen Datum, aktuelle Mängel und kommende Reparaturen. Lassen Sie sich beim Gebrauchtwagenkauf immer den letzten Bericht und nach Möglichkeit auch ältere zeigen. Ein Verkäufer, der die Berichte nicht herausgeben will, hat womöglich etwas zu verbergen.



